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Wanderreiten im Havelland

Weiter geht es im Gastartikel von Sandra über Wanderreiten in Deutschland. Im ersten Artikel ging es darum, wie die Idee entstand, die Vorbereitungen und die Packliste. Dann gingen die ersten 3 Tage beim Wanderreiten in Brandenburg durch den Fläming und nun folgen die Tage 4-7 im Havelland.

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Unser Team für den Wanderritt

Wer schreibt hier? 

Das Team für den Wanderritt
Fotograf: Valentina Goeck

Hallo liebe Hundeliebhaber und Wanderfreunde, 

ich heiße Sandra, bin 36 Jahre, Polizeibeamtin und komme aus Osnabrück. Meine Leidenschaft sind Wanderritte mit meiner Westfalenstute Pina (2001) und meiner Mischlingshündin Heaven (2010). 

Ich möchte euch in diesen zwei Artikeln von meinem ersten Wanderritt mit Vollgepäck und einer halbwegs ungeplanten Strecke erzählen. 

Wenn ihr mich gerne öfter begleiten möchtet, dann folgt mir doch bei Instagram.

Wanderreiten Tage 4-7

Wanderreiten im Havelland Tag 4

Fakten zu Tag 4 – Donnerstag, 17.09.2020 

  • Start 10:05 Uhr
  • Ankunft 16:15 Uhr
  • Pausen insg. 140 min, Eis am Nachmittag und Abendessen Ristorante Pizzeria & Eiscafe „Bellavista“ (Am See 2, 14789 Wusterwitz)
  • Unterkunft: Kinderreitverein Wusterwitz, Warchauer Str. 76, 14789 Wusterwitz 

Eis am See beim Wanderreiten

Die Planung des weiteren Rittes gestaltete sich etwas schwierig, da wir im Havelland einen Weg an den großen Seen vorbei suchen mussten. Wir entschieden und westlich an Brandenburg an der Havel vorbeizureiten und versuchten als nächste Station etwas im Bereich Wusterwitz zu finden. Leider gab es dort kaum Höfe, auch Anfragen bei Campingplätzen wurden abgelehnt. 

Schlussendlich wurde ich quasi ins kalte Wasser gestoßen, wir fanden Unterkunft an einem Reiterhof, wo wir eine Wiese bekamen, für die Pferde und auf der wir auch zelten durften. Ein Klo gab es allerdings nicht… das konnte ja was werden. 

Nach einem wunderbaren Frühstück, mit Brötchen, machten wir uns auf nach Wusterwitz, ca. 20 km entfernt und mit etwa 10 Grad Temperaturunterschied zu den Vortagen, Sonnenschein und angenehme 20 Grad begleiteten uns über den Tag. Wir hatten wunderbare Trabstrecken über lange Wiesenwege und tolle Pausenplätze mit saftigem Gras für die Pferde.  

Auch für Heaven gab es an diesem Tag wieder mehr Bäche zum Trinken. Am Vortag hatten wir keine Häuser und Bäche gehabt und ich musste ihr den Großteil meiner Wasservorräte abtreten. 

In Wusterwitz ritten wir als erstes zum See und kehrten in die dortige Eisdiele und Pizzeria ein, wo wir auch gleich für abends einen Tisch reservierten – wichtig auch, um noch einmal aufs Klo gehen zu können vor dem Schlafen. 

Pause am See beim Wanderritt
An Eisdielen muss angehalten werden

Da Wusterwitz trotz der schönen Lage am See offensichtlich nicht auf den Massentourismus eingestellt ist, gibt es eigentlich keine Verbotsschilder und wir konnten beim Wanderreiten mit den Pferden direkt am See entlang weiter zu unserer Unterkunft. 

So wirkliche outdoor – unsere einfachste Unterkunft beim Wanderritt

Auf der Wiese war genug Futter für die Pferde und wir steckten mit unserem mobilen Paddock zwei Bereich für die Pferde ab. Und unsere Zelte* kamen natürlich endlich zum Einsatz. Die Sättel packten wir zwischen zwei Ponchos. Mit unseren Falteimern holten wir Kraftfutter und Wasser für die Pferde, für uns konnten wir unseren Frischwassersack füllen. 

Kuscheln mit dem Hund
Ausruhen für den Abend im Restaurant

Das war nun wirklich Abenteuer für mich. Ein wenig Zivilisation holten wir uns noch beim Abendessen in der Pizzeria und ich nutzte die Gelegenheit Handy und Uhr für den nächsten Tag aufzuladen. 

Die Strecke vom Wanderreiten Tag 4 bei Komoot.

Wanderreiten im Havelland Tag 5

Fakten zu Tag 5 – Freitag, 18.09.2020

  • Start 11:30 Uhr
  • Ankunft 16:30 Uhr
  • Pausen insg. 105 min
  • Tageskilometer 17,6 km 
  • Unterkunft: Pferdehof Himmelreich e. V. (Lindenstr. 29, 39307 Schlagenthin)

Frost in der Nacht 

Wir wussten, dass die Nacht kalt werden würde, die Wetter App sagte ca. 6 Grad voraus, aber wir waren dann doch überrascht, als wir am nächsten Morgen aus dem Zelt blickten und es gefroren hatte. Das Wasser der Pferde hatte ebenfalls eine Eisschicht. 

Bei Heaven hatte ich es am frühen Morgen schon gemerkt. Als ich gegen 5 Uhr wach wurde, lag sie zitternd neben mir, trotz der warmen Decken von unten. Das war nun auch nichts für sie und so durfte sie sich dicht an mich kuscheln und ich deckte sie mit meinem Schlafsack zu. 

Am Morgen war an Reitsachen anziehen auch erstmal nicht zu denken. Über die warme Ski-Unterwäsche, wurden die Reitsachen einfach drübergezogen und darüber alle Jacken, die ich bei mir hatte. Selbst mein Reitmantel kam noch zum Einsatz. Und so kauerten wir uns auf eine der wasserdichten Decken und kochten uns erstmal Tee und warmes Porridge.  

Unsere Zelte waren natürlich auch von einer Frostschicht überdeckt und durch das Gewicht war das Außenzelt ans Innenzelt gekommen und der Schlafsack etwas nass geworden. 

So verbrachten wir den Vormittag in aller Ruhe. Langsam kroch die Sonne über den Büschen hervor und taute uns wieder auf. Aber nicht nur wir mussten auftauen, auch die Schlafsäcke und das Zelt mussten trocknen. Gerade die Daunenschlafsäcke wollten wir nicht nass komprimieren. 

Aber wir hatten ja Zeit und so verließen wir erst gegen halb zwölf unseren Zeltplatz in Richtung Schlagenthin zum Pferdehof Himmelreich e.V., wo wir als nächstes unterkommen würden. 

Auch nicht so schöne Strecken 

Doch zuvor hielten wir noch an der Touristikinformation und bedankten uns bei der netten Dame, die uns zwei Tage zuvor bei der Unterkunftssuche geholfen hatte. Ein Kühlschrankmagnet von Wusterwitz musste ich natürlich kaufen. 

Weiter ging es dann zum Lebensmittelgeschäft und wir deckten uns mit ein paar Leckereien, Gemüse fürs Abendbrot und Möhren für die Pferde ein. 

Straßenfestigkeit war heute gefragt

Die 17 km des 5. Tages waren ausnahmsweise sehr geprägt von Asphaltstraßen, da waren wir die letzten Tage etwas verwöhnt gewesen, auch fanden wir diesmal keine schönen Pausenplätze und auch nicht ausreichend Gras für die Pferde, so dass wir froh waren im „Himmelreich“ anzukommen. Was für ein idyllischer Ort! Als erstes wurden wir von den Gänsen begrüßt, die uns auch gleich beim Absatteln helfen wollten. Wie cool unsere Pferde doch sind! Heaven war etwas erstaunt und wusste nicht, wo sie als erstes hinschauen sollte. Um sie herum liefen Katzen und Federvieh, die sie einfach ignorierten. 

Ein Schlafplatz im Himmelreich

Wir haben uns gleich richtig wohlgefühlt. Die Pferde kamen auf zwei große Paddocks und bekamen tolles selbstgemachtes Heu. Wir selbst schlugen unser Lager in einem Pferdeunterstand auf und Pina stand als ich mich im Schlafsack verkroch noch eine zeitlang im halboffenen Tor und wachte über uns. 

Wanderreiten in Deutschland -Schlafplatz im Pferdestall
Schlafzimmer ist eingerichtet

Zum Abendbrot hatte es Kuskus mit Dörr- und frischem Gemüse gegeben. Aber es wurde schon wieder kälter und so zogen wir uns früh in unsere Schlafsäcke zurück. Da es ja auch schon relativ früh dunkle wurde, konnten wir eh nicht viel draußen machen. Auf der Toilette hatten wir die Heizung etwas aufgedreht, ganz kurz waren wir versucht alle dort zu schlafen…ganz kurz. 

Heaven fror auch nachts wieder und tigerte auf der Suche nach einem warmen Platz durch den Unterstand. Auch war es für uns eine unruhige Nacht, da die Pferde auf der Rückseite die Wand zum Scheuern nutzten und uns nicht wirklich schlafen ließen. Zumindest Heaven bekam etwas Ruhe, als ich sie nachts wieder mit unter den Schlafsack nahm. 

Hund eingekuschelt in die Pferdedecke
Dick eingepackt nach der kalten Nacht

Die Strecke vom Wanderreiten Tag 5 bei Komoot.

Wanderreiten im Havelland Tag 6

Fakten zu Tag 6 – Samstag, 19.09.2020

Der letzte Tag vom Wanderreiten

Mein letzter Tag war angebrochen. Ich war froh, dass ich noch einen Tag verlängert hatte, bzw. wir Verena und Katharina noch einen Tag länger begleiten durften, da ich so den Wanderritt nicht mit dem Asphalttag, sondern mit der kommenden Strecke beenden konnte. 

Es war schon komisch morgens, ein letztes Mal Porridge, ich hatte es fast liebgewonnen, ein letztes Mal packen. Abends sollte es für mich zurück nach Niemegk gehen. Ein Taxi war bereits für halb sechs zum Reiterhof Reiten im Havelland in Rathenow, meinem letzten Zielort, bestellt. 

Mit 24 km die längste Strecke der Woche. 

Reiter auf einem Waldweg beim Wanderreiten mit eigenem Pferd
Die letzten Kilometer

 

Wir hatten sogar richtig Glück mit unseren Pausenplätzen. Wir hatten zwei größere Wasserläufe auf unserer Strecke und als hätten wir es geplant war jeweils direkt am Wegesrand eine saftige Wiese. Das war insofern wirklich großer Zufall, weil auf dem Rest des Weges das Gras so verdorrt war, dass an eine Pause nicht zu denken war. 

Ein kleines Abenteuer kam dann noch am letzten Tag. Beim ersten Bach mussten wir nach der Pause eine Holzbrücke überqueren, die erstmal von unten begutachtet werden musste. Wir überquerten sie einzeln und mit ganz viel Hoffnung, da wir sonst einen Umweg von mehreren Kilometern hätten machen müssen. Aber wir sind sicher drüber gekommen, auch wenn sie etwas schwankte. 

Überquerung der Brücke beim Wanderreiten im Havelland
Geschafft alle sicher drüber

Am Ziel

Auf dem Reiterhof angekommen hieß es dann für die Pferde auf der Weide einen Paddock abzäunen und sie erstmal versorgen.

Der eigene Paddock wurde nochmal gebraucht

So blieb leider keine Zeit für mich zu duschen, bis der Taxifahrer kam. 

Der tat mir dann auch etwas leid, als ich mit Heaven in meinem „Zustand“ in sein sauberes Auto stieg. 

Bei der Autofahrt wurde mir dann bewusst, dass wir doch ganz schön weit gekommen waren, auch wenn die letzten 6 Tage Wanderreiten nun in anderthalb Stunden an mir vorbeizogen. 

So wurde es abends dann recht spät, als ich wieder zurückkam, aber nach der Pferdeversorgung, war es dann noch ein Segen sich unter die Dusche zu stellen. 

Die Strecke vom Wanderreiten Tag 6 bei Komoot.

Wanderreiten im Havelland Tag 7

Der Abschied 

Für Verena und Katharina war am nächsten Tag ein Pausentag eingeplant und so ließen wir die Woche in einem kleinen Frühstückscafé ausklingen. Nur leider gab es am Sonntag dort kein Frühstück und so starteten wir den Tag mit Gebäck und Kuchen, auch das ist Urlaub. 

mit Kuchen in den Tag gestartet

Wahnsinn! Geschafft! Und das mit allen Wortsinnen! Aber glücklich und zufrieden. Heaven und Pina haben den Wanderritt gut geschafft, die Sorgen des Anfangs waren zum Ende verblasst. 

Pina hatte sich mit Ruby und Rheanna dann doch noch angefreundet und war etwas erstaunt, als die Hängerklappe ohne die beiden zu ging. Obwohl man ihr die Begeisterung „ihren“ Hänger zu sehen doch etwas anmerken konnte. So wurde sie auch plötzlich ganz unruhig, als ich zum Aufladen ein paar Meter vorfuhr und sie schon dachte, dass er ohne sie losfahren würde.  

Und dann waren da noch … 

Am Ende muss ich aber leider nochmal die Schattenseiten des wilden Outbacks benennen… es gab unglaublich viele Zecken beim Wanderreiten in Brandenburg und nicht die kleinen schwarzen oder roten, die ich bislang kannte, sondern große, getigerte, einem nachlaufende Zecken … Durch ein Wunder hatte ich keine einzige, obwohl mich in unserer Outdoor-Campingnacht nur die Stirnlampe vor einer nicht so schönen Begegnung auf dem Klopapier bewahrt hat. 

Insbesondere Heaven hat sie alle mitgenommen. Unterwegs war mir das gar nicht so aufgefallen… ich bin mir nicht sicher, ob ich sie sonst mit in den Schlafsack genommen hätte. Aber nach dem wir zu Hause waren, habe ich drei Tage lang täglich 20-30 Zecken abgesammelt.

Fast 100 Zecken in drei Tagen

Das war ungewohnt und erschreckend, denn das kannte ich so nicht und wir waren schon in vielen Gegenden unterwegs gewesen. 

Leider hatte ich das Zeckenmittel vorher vergessen, da ich es bei uns eigentlich nur im Frühjahr brauche. Das war dann doch etwas zu viel Natur… 

Fazit zum gesamten Wanderritt

Ich bin aber, trotz Zecken 😉, froh und dankbar, dass ich Verena und Katharina auf ihrem Abenteuer ein Stück beim Wanderreiten begleiten und diese Erfahrung mitnehmen konnte.  
Ob ich sie in der Form wiederholen werde, kann ich jetzt noch nicht sagen, zumindest für nächstes Jahr ist erstmal geplant den Wanderritt im Schwarzwald nachzuholen, mit festen Quartieren, ohne Zelt, Schlafsack und Kocher. 

Aber wir sind auf jeden Fall mutiger geworden und fühlen uns vorbereitet für kommende Abenteuer. 

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Bist du auch ein Freund vom Wanderreiten im Havelland? Was deine Lieblingsplätze und Tipps? Schreib es gerne in die Kommentare. Ich freue mich, von dir zu lesen!

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